Rückblick 2017

Volles Haus bei der STUVA-Tagung 2017 in Stuttgart

Schon seit langem war der Termin im Kalender vieler Ingenieure rot markiert. Denn schließlich hatte die STUVA vom 6. bis zum 8. Dezember 2017 nach Stuttgart gerufen – zur traditionsreichen STUVA-Tagung, dem mittlerweile weltweit größten internationalen Forum für Tunnel und Infrastruktur. Die Resonanz kann sich mehr als nur sehen lassen: Noch nie hatte die alle zwei Jahre stattfindende STUVA-Tagung so viele Teilnehmer und noch nie war die tagungsbegleitende STUVA- Expo so beeindruckend gut besucht und so groß. Über 1900 Tagungsteilnehmer und mehr als 200 Aussteller auf einer Gesamtfläche von über 7000 Quadratmetern. Weit mehr als bei der bisherigen Rekordveranstaltung von 2015.

Es gibt viele gute Gründe an der STUVA-Tagung teilzunehmen, beispielsweise die eigene berufliche Weiterbildung oder auch die Aussicht auf neue Kundenkontakte. Denn bei wohl keiner anderen Fachtagung aus dem Bereich Verkehrsinfrastruktur ist das Spektrum der Vorträge soweit und die Entscheiderdichte so hoch wie hier. Und wo sonst kann man in der hektischen Tunnelbauerwelt volle drei Tage lang im Austausch mit mehr als 1.900 anderen Fachleuten seinen beruflichen Blick weiten, alte Kontakte auffrischen und zwanglos neue knüpfen? Das alles zusammengehalten durch ein üppiges Vortragsprogramm von 65 Referenten, einer riesigen Fachausstellung, spannenden Exkursionen und nicht zuletzt dem tollen Festabend am ersten Veranstaltungstag.

Diese Kombination sorgt seit 1963 regelmäßig alle zwei Jahre für das ganz besondere, fast familiäre STUVA-Tagungsgefühl.
So war es denn auch kein Wunder, dass der große Vortragssaal bereits am frühen Mittwochmorgen bis auf den letzten Platz besetzt war, um der Willkommensrede des Vorstandsvorsitzenden der STUVA Univ.-Prof. Dr.-Ing. Martin Ziegler zu lauschen. Dieser stellte zunächst klar, dass die Wahl der Stuttgarter Messe daher rührt, dass die STUVA grundsätzlich ihre Tagungen dort abhalte, wo auch möglichst viele aktuelle Tunnelbauaktivitäten zu verzeichnen sind. Das Projekt Stuttgart–Ulm sei nicht nur das derzeit mit Abstand größte Tunnelprojekt in Deutschland, sondern durch die schwierigen geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse auch besonders interessant. Mit dieser Feststellung verknüpfte er zugleich die Hoffnung, dass die aufgetretenen Schwierigkeiten des Projekts durch die STUVA-Tagung in der öffentlichen Wahrnehmung relativiert werden können. „Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen bei einem Projekt sind nicht á priori ein Naturgesetz, sondern haben ihre Ursachen eben oft in zusätzlichen oder geänderten Leistungen“, so der STUVA-Vorstandsvorsitzende. Oftmals lägen die Ursachen wie in Stuttgart z. B. an den nachträglich erteilten Auflagen im Genehmigungsprozess, wie die immer restriktiver werdenden Brandschutzbestimmungen oder auch die aus Bürgerprotesten und langwierigen Klagen resultierenden Veränderungen. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 dürfe jedenfalls nicht vergessen werden, dass heute die Weichen für morgen gestellt werden müssen. Der marode Zustand großer Teile unserer Verkehrsinfrastruktur zeige dies bereits jetzt in großer Deutlichkeit, so Ziegler.
Im anschließenden Grußwort des baden-württembergischen Ministers für Verkehr Winfried Hermann verwies dieser darauf, dass die STUVA völlig zurecht nach Stuttgart gekommen sei. Schließlich verfüge sein Bundesland über die meisten Straßentunnel in Deutschland – immerhin 95 Tunnel mit einer Gesamtlänge von rund 60 Kilometern. In den nächsten zehn Jahren werden alleine in Baden-Württemberg rund 1,3 Milliarden Euro in den Bau von 15 weiteren Straßentunneln gesteckt. Noch beeindruckender ist natürlich das Wachstum bei den Eisenbahntunneln. Alleine wegen des Großprojekts Stuttgart 21 werden derzeit 16 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 33 Kilometern zugebaut. Mit Nachdruck verwies Hermann wie schon Ziegler vor ihm auf die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung für den gesamten Verkehr. Dabei sei die bereits jetzt immer schneller voranschreitende Digitalisierung der betriebstechnischen Ausstattung von Tunneln wegweisend für die Zukunft der gesamten Verkehrsinfrastruktur und aller Verkehrsträger. Die zentrale Aufgabe der Zukunft, so Hermann, lautet: Intelligente Verkehrsdaten und Infrastruktur zusammenzubringen.

STUVA-Preis 2017 geht an die Deutsche Bahn

Der STUVA-Vorstand hatte sich bereits im März 2017 dazu entschieden, den diesjährigen STUVA-Preis an die Deutsche Bahn AG zu vergeben. Mit dem Preis werden die jahrzehntelange Gesamtleistung des Unternehmens im Tunnelbau auf den zahlreichen Neubaustrecken und die dabei in Zusammenarbeit mit den jeweils beteiligten Partnern getätigten Innovationen und den Mut dazu gewürdigt. Am 8. Dezember 2017 – also pünktlich zum letzten Tag der STUVA-Tagung – ist mit der 107 Kilometer langen Strecke zwischen Erfurt und Ebensfeld die Neubaustrecke Berlin–München als ein Kernstück des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit eröffnet worden. Die im Zusammenhang mit diesem Projekt erforderlichen 25 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 56 Kilometern quer durch alle nur denkbaren geologischen Formationen haben neue Maßstabe gesetzt. „Mit Blick auf das nach der Preisvergabe-Entscheidung eingetretene Tunnelunglück in Rastatt und die Kostensteigerungen bei Stuttgart 21“, so Ziegler in seiner Preisrede, „soll der STUVA-Preis für die DB AG und ihre Partner – über die dargestellten unstrittigen Erfolge hinaus – jedoch auch Ansporn und Auftrag sein, zwar einerseits Innovationen weiterhin mit Mut und Können voranzutreiben, aber andererseits auch unter Einsatz modernster Methoden die Kontrollen noch weiter zu verbessern, um die Wahrscheinlichkeit von Havarien noch weiter zu senken.“

270 Milliarden Euro für Verkehrsinfrastruktur bis 2030

Dass solch eine umfassende Digitalisierung des gesamten Verkehrs bei gleichzeitigem Zubau von neuer Infrastruktur und steigendem Instandhaltungsbedarf eine Menge Geld braucht, versteht sich von selbst. Doch da konnte der nächste Redner die gespannten Zuhörer im Saal beruhigen. Rainer Bomba, Staatssekretär des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur wies darauf hin, dass die Bundesregierung längst erkannt habe, dass eine leistungsfähige, moderne Verkehrsinfrastruktur einer der Schlüssel zur nachhaltigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes ist.
So seien bis 2030 beeindruckende 270 Mrd. Euro Mittel für die Verkehrsinfrastruktur bereitgestellt, davon alleine 70 % für die Sanierung und Aufrüstung der Bestandsnetze. Um dieses Geld zielgerichtet und effektiv auszugeben, ist ein ganzes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht worden, so sei beispielsweise mit der Deutschen Bahn AG eine Bedarfsumsetzungsplanung vereinbart worden, um wichtige Schienenprojekte künftig schneller umzusetzen. Der Bund wird dabei künftig die vollen Planungskosten bezahlen. Auch Bomba wies wie seine Vorredner auf die besondere Bedeutung der Digitalisierung für den Verkehr hin. So sei der Einsatz von BIM (Building Information Modeling) ein wichtiger Beitrag, Termin- und Kostensicherheit zu gewährleisten.

ITA-Präsident würdigt internationale Bedeutung der STUVA

Als nächstes betrat der Präsident der International Tunnelling and Underground Space Association (ITA) Prof. Tarcisio B. Celestino das Podium, um die STUVA als eine der weltweit wichtigsten Institutionen für die Vermittlung von Technologie und Know-how für unterirdisches Bauen und die konsequente Nutzung unterirdischer Flächen zu würdigen. Er verwies darauf, dass Deutschland für die ITA schon immer eines der wichtigsten Mitgliedsländer gewesen sei. Schließlich seien die beiden ehemaligen Geschäftsführer der STUVA Prof. Günter Girnau und Prof. Alfred Haack auch Präsidenten der ITA gewesen und mit dem heutigen Geschäftsführer der STUVA, Dr.-Ing. Roland Leucker, setze sich die erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Mit Roland Leucker habe das Committee on Safety of Underground Facilities (COSUF) eine kompetente Führung erhalten. Überhaupt könne man die Bedeutung von COSUF gar nicht hoch genug einschätzen. COSUF habe einen enormen Beitrag zur Verbesserung des Brandschutzes und der Sicherheit in Tunneln geleistet, wie man am Rückgang der Schadensfälle in den letzten 15 Jahren sehen könne. Nach seiner Meinung, so Celestino, habe die Welt zwischenzeitlich begriffen, wie bedeutsam Tunnelbauten als berechenbare und zuverlässige Infrastrukturalternative seien. Das weltweite Wachstum bei den Ausgaben für Tunnel liege mittlerweile bei 7,1 % jährlich und damit fast doppelt so hoch wie in der restlichen Bauindustrie. Celestino appellierte an die anwesenden Fachleute, dazu beizutragen, die Chancen die die Tunnel- und Tiefbauindustrie bieten, zu nutzen. „Wir sollten die von der STUVA-Tagung ausgehenden Impulse nutzen und als Wendepunkt begreifen, um die Infrastrukturlücke zu schließen. Dazu müssen wir beweisen, dass der Tunnelbau die Mobilität der Bevölkerung entscheidend verbessern kann – und dass Tunnel im Betrieb vorhersehbar und zuverlässig sind. Meine verehrten Damen und Herren, genau das ist unsere Mission!“.
Nach der sich anschließenden Vergabe des STUVA-Preises 2017 an die Deutsche Bahn AG gab es gleich den Eröffnungsvortrag eines der frisch gebackenen Preisträger: Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutsche Bahn AG gab einen kompakten Ausblick auf die weitere dynamische Entwicklung der Investitionsoffensive für den Schienenverkehr und fasste die gleichgelagerten Ziele des Bundesverkehrswegeplans und der Netzkonzeption seines eigenen Unternehmens bis 2030 zusammen: Mehr Verkehr auf die Schiene, höhere Leistungsfähigkeit des Netzes und die Steigerung der Attraktivität des Bahnverkehrs für die Kunden. Für die DB, so Pofalla, sei die Bedarfsplanumsetzungsvereinbarung mit dem Bund das entscheidende Moment. Ab 2018 können so Projekte schneller und billiger umgesetzt werden und mit einer weiteren Entbürokratisierung der Genehmigungsplanung seien Großprojekte um bis zu 5 Jahre schneller als bisher zu realisieren, zeigte sich Pofalla überzeugt.

Parallele Sessions Tunnelbau und Tunnelbetrieb

Nach dem gemeinsamen Eröffnungsblock begannen am Vormittag die parallelen Vortragsveranstaltungen für den Tunnelbau und den Tunnelbetrieb. Seit 2015 hat die STUVA ihr Programm um das zunehmend wichtiger werdende Segment des Tunnelbetriebs erweitert. Um es vorwegzunehmen – die STUVA-Tagung 2017 hat nachdrücklich bewiesen, dass der Betrieb von Tunneln als eigener Veranstaltungsblock nicht mehr wegzudenken ist und sich mit einem breitgefächerten Themenangebot wie selbstverständlich in die vormals auf Aspekte des Bauens fokussierte Veranstaltung einfügt. Vorträge zu insgesamt 31 brandaktuellen Themen nur für die Tunnelbetreiber ließen bei den Zuhörern keine Wünsche offen. So zeigte gleich der erste Themenblock „U-Bahn, Stadtbahn- und Haltestellenbetrieb“ die vielfältigen Problemstellungen des Tunnelbetriebs auf. Die weiteren Themenkomplexe der Tunnelbetreiber in den nächsten zwei Tagen waren „Sicherheit in Straßentunneln“, „Inbetriebsetzung und Energieeinsparung“, „Straßentunnellüftung“, „Tunnelplanung, Sanierung“, „Tunneltüren“, „Rettungskonzepte“ „Verkehrstunnel und Geothermie“ sowie „IT-Sicherheit“.
Zeitgleich wurden im großen Tagungssaal die Vorträge für den Tunnelbau gehalten. Nach der Vorstellung spannender internationaler Großprojekte wie dem Follo Line Projekt und den hier gemachten ersten Erfahrungen beim Vortrieb mit Doppelschildmaschinen folgten Vortragsblöcke zu aktuellsten Themen wie „BIM, Digitalisierung, Monitoring“, „Neuerungen zu Regelwerken“, „Kombinierte Bauweisen“, „Maschineller Tunnelvortrieb“, „Neuentwicklungen beim Tübbingausbau“, „Baugrundvereisung“, „Tunnelbau in quellenden Böden“ und „Unterirdisches Bauen in der Region“.
Alle Vorträge im Tunnelbau und im Tunnelbetrieb wurden simultan ins Englische bzw. Deutsche übersetzt. Die imposante Doppelprojektion der Powerpointfolien im Breitbildformat wurde von vielen Referenten gekonnt ausgenutzt und wirkte teilweise wie eine 32:9-Präsentation mit entsprechend viel Platz für visuelle Informationen. Insgesamt wurden 65 Vorträge gehalten. Diese sind im reich bebilderten 454 Seiten starken Tagungsband zur STUVA-Tagung 2017 nachzulesen.
konnten.

202 Aussteller auf ca. 7000 Quadratmetern Fläche – die größte STUVA-Expo aller Zeiten

Schon Monate vor der STUVA-Tagung wurde deutlich, dass die ursprünglich bei der Messe Stuttgart reservierte Fläche für die STUVA-Expo nicht reichen würde. Bis kurz vor dem Start meldeten sich noch immer Firmen als Aussteller an. Schließlich füllte die Expo nahezu die gesamte Halle 4 der Messe in Stuttgart. An beiden Ausstellungstagen herrschte reger Andrang an den Ständen, auf denen sich die Firmen mit ihren Innovationen optimal präsentieren konnten. Um neue Märkte zu erschließen, Kooperationen zu besiegeln oder konkrete Projekte anzustoßen ist die Expo der STUVA-Tagung schon seit Jahrzehnten der richtige Ort. Dass auch in diesem Jahr der Besuch der Expo nicht nur für die Tagungsteilnehmer reserviert war, erwies sich einmal mehr für die Aussteller als ein optimales Konzept. Rund 700 vorher registrierte Fachbesucher nutzten die Möglichkeit zum kostenlosen Besuch der Expo. So gab es auch in 2017 keine ruhige Minute in der Ausstellung, selbst während gerade die parallelen Vortragsveranstaltungen der Tagung in vollem Gange waren.

Spannende Exkursionen am dritten Tag

Am dritten Tag der STUVA-Tagung fanden die insgesamt 17 im Vorfeld handverlesenen Exkursionen statt. Neben Fahrten zur Kombilösung Karlsruhe, dem Mercedeswerk Sindelfingen oder dem Firmengelände der Herrenknecht AG standen diesmal natürlich vor allem die Baustellen des Großprojekts „Stuttgart–Ulm“ im Mittelpunkt. Ein ganz besonderes Dankeschön geht an dieser Stelle an die Deutsche Bahn AG, die es den Tagungsteilnehmern ermöglichte, auch aktive Baustellen wie den Filder-, Albvorland- oder Boßlertunnel teils bei laufendem TVM-Vortrieb zu besichtigen. Geleitet wurden alle Exkursionen von kompetenten Mitgliedern der Bauleitung und der Bauüberwachung. Wieder einmal boten die Exkursionen exklusive Einblicke für Fachleute von Fachleuten, die außerhalb des Rahmens der STUVA-Tagung so nicht möglich gewesen wären.

Auf Wiedersehen in Frankfurt 2019

Nach der STUVA-Tagung ist ja bekanntlich vor der STUVA-Tagung. Die nächste STUVA-Tagung findet in zwei Jahren im Congress Center Messe Frankfurt in Frankfurt am Main vom 26. November bis zum 28. November 2019 statt. Lassen Sie sich bereits jetzt registrieren, um die Informationen zum Anmeldestart zu erhalten, der voraussichtlich im November 2018 eingeläutet wird. Heiko Heiden, Geschäftsführer der deltacom Projektmanagement GmbH, steht gerne bereits jetzt als kompetenter Ansprechpartner für die Expo zur Verfügung (Tel. +49 40 357232-0; info@deltacom-hamburg.de). Für dieses Mal möchte sich das STUVA-Team bei allen Referenten, Teilnehmern, Ausstellern, Sponsoren und Fachbesuchern abschließend recht herzlich bedanken: Ohne Ihr Engagement wäre die STUVA-Tagung nicht das, was sie ist. In diesem Sinne: Glück auf und bis in zwei Jahren!

Aussteller der STUVA-Expo 2019